WEST-EASTERN DIVAN ORCHESTRA
Seit mehr als 25 Jahren ist das West-Eastern Divan Orchestra eine feste Größe in der internationalen Musikwelt. 1999 rief Daniel Barenboim gemeinsam mit dem 2003 verstorbenen palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward W. Said ein Orchester für junge Musiker:innen ins Leben mit dem Ziel, durch die Erfahrungen gemeinsamen Musizierens und des Zusammenlebens einen Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen des Nahen Ostens zu ermöglichen. Sie benannten Orchester und Workshop nach Johann Wolfgang von Goethes Gedichtsammlung West-östlicher Divan, einem zentralen Werk für die Entwicklung des Begriffs der Weltkultur. Das Orchester, dessen Mitglieder mehrheitlich aus Israel, Palästina, Iran, Syrien, der Türkei und anderen Ländern der Region stammen, kommt jeden Sommer zu Probenphasen zusammen, die mit Vorträgen und Diskussionen erweitert werden, bevor es eine internationale Tournee unternimmt. Die Musiker:innen gastierten in Konzertsälen und bei Festivals weltweit, darunter die Salzburger Festspiele, das Lucerne Festival, die BBC Proms, das Schleswig-Holstein Musik Festival, die Elbphilharmonie, die Carnegie Hall und das Teatro Colón in Buenos Aires. Darüber hinaus bleibt der Wunsch des Orchesters, in den Heimatländern seiner Mitglieder zu spielen, eines der wichtigsten Ziele. Auftritte in Rabat, Doha und Abu Dhabi sowie das symbolträchtige Konzert in Ramallah 2005 waren Schritte zur Umsetzung dieses Vorhabens. Der einzige politische Aspekt in der Arbeit des West-Eastern Divan Orchestra ist die Überzeugung, dass es keine militärische Lösung des Nahostkonfliktes geben kann und dass die Schicksale von Israelis und Palästinenser:innen untrennbar miteinander verbunden sind. Auf der Grundlage von Gleichheit, Zusammenarbeit und Gerechtigkeit verkörpert das Orchester ein alternatives Modell zur Situation im Nahen Osten und beweist, dass Musik Brücken bauen und Barrieren beseitigen kann, die zuvor als unüberwindlich galten. Im Jahr 2016 wurde es dafür von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon zum UN-Botschafter für kulturelle Verständigung ernannt.
© Monika Rittershaus